Welchen Ruf hat Linux eigentlich in eurem Bekanntenkreis? Den Ruf, dass man kaum Spiele darauf spielen kann? Das es umständlich über Konsole konfiguriert werden muss, mit lauter kryptischen Befehlen? Das die Hardwareunterstützung eher Mau ist? Viele wissen doch noch nicht einmal, dass ihr Smartphone-System auf Linux aufbaut.
Linux und ich, das war bisher immer eine Art Hassliebe. Während ich es auf meinem Server nicht mehr missen möchte, konnte es sich bei mir nie auf dem Desktop durchsetzen. Jede neue Ubuntu-Version habe ich angetestet und mehrere Wochen im Einsatz gehabt. Und doch bin ich immer wieder zu OS X und Windows zurück gewechselt. Doch wieso wollte es nicht klappen? Schließlich liebe ich es mit Mac OS X und Windows zu arbeiten. Was macht Linux anders?
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht großartig auf all die technischen Raffinessen eingehen, welche Linux einem bieten kann. Stattdessen möchte ich einfach mal aus der reinen Anwendersicht erzählen. Den normalen Benutzer interessiert es nicht, welchen Kernel die neuste Distribution von XY mitbringt. Der Otto Normalverbraucher möchte ein System haben, welches einfach funktioniert und am besten alle seine bekannten Programme gleich mitliefert. Großartiges konfigurieren soll ihm erspart bleiben. Den besten Beweis, dass an dieser These nicht alles Mumpitz ist, liefert schließlich Apple. Beschneide das System auf das nötigste. Verstecke/Entferne alle nicht notwendigen Funktionen. Garniert mit einem guten Marketing versteht sich.
Wie bereits weiter oben angeschnitten, habe ich regelmäßig versucht, Linux in meinem Alltag eine Chance zu geben. Auf Dauer allerdings konnte mir keine der Arbeitsumgebung, sei es Gnome 2, Unity, KDE, Xfce/LXDE einen fließenden Workflow bieten.

Womit wir nun zu Gnome 3 kommen. Gerade die mit haufenweise vernichtender Kritik zugeworfene Desktop-Umgebung soll dies bei mir ändern?
Ich kann mir durchaus gut vorstellen und auch nachvollziehen, dass ein Wechsel von Gnome 2 auf Gnome 3 für alteingesessene Linux-Nutzer einem Kulturschock gleichkommen muss, aber auf diese ziele ich mit diesem Artikel auch gar nicht ab. Ich selbst bezeichne mich unter dem Desktop-Linux – entschuldigt die blöde Bezeichnung – als Otto Normalverbraucher. Ich möchte mich an den Rechner setzen, im Netz surfen, einfache Bildbearbeitung betreiben und mit meinen Freunden kommunizieren, eben alles, was ich auch unter Windows und OS X nutze. Hatte ich bisher bei sämtlichen Desktop-Umgebungen, dass Gefühl mit Möglichkeiten erschlagen zu werden – wirkt Gnome 3 extrem aufgeräumt. Ja, selbstverständlich kann dies auch wieder als Nachteil ausgelegt werden. Ich muss mich um eine eigene Office-Anwendung kümmern, kann die Arbeitsfläche nur mittels Gnome-Tweak-Tools nutzen. Aber für mich persönlich ist das noch im Rahmen des erträglichen. Das System macht einen aufgeräumten Eindruck, ist schnell und überflutet den Benutzer nicht mit haufenweise an Optionen und Einstellungsmöglichkeiten.

Natürlich wurde auch bei Gnome 3, dass ein oder andere Feature von der Konkurrenz abgeschaut. Neben dem seit Windows 7 bekannten Aero-Snap, bietet Gnome 3 auch eine Exposé-ähnliche Übersicht aller offenen Fenster an. Das ist meiner Meinung nach aber auch gar nicht weiter schlimm. Im Gegenteil. Das – für mich – bemerkenswerte ist, dass ich unter Gnome 3 einen für mich funktionierenden Workflow gefunden habe, mit dem es Spaß macht zu arbeiten. Und – um auch auf einen gern genannten Nachteil einzugehen – ich habe für jedes erdenkliche Programm, welches ich unter OS X oder Windows nutze eine passende Alternative gefunden. Als einfacher Editor, für PHP und HTML nutze ich z.B nun Bluefish, da ich mit Gimp immer noch auf Kriegsfuß stehe, hält für die rudimentäre Bildbearbeitung nun Pinta her, welches meiner Meinung nach ein wenig an Paint.net erinnert. Und selbst mein iPhone wird mit Gnome-Boardmitteln unterstützt und nahtlos ins System eingebunden. Das fängt an, beim Dateizugriff via Nautilus und geht bis zur %-Anzeige des iPhones-Akkus in der Gnome-Shell.
Was soll nun dieser Artikel? Ein Großteil der regelmäßigen Leser wird – wenn nicht sowieso schon regelmäßig – zumindest ab und an versucht haben mit Linux zu arbeiten. Meine Empfehlung, an alle, denen es mit Linux wie mir erging. Gebt Gnome 3 eine Chance. Auf gnome.org gibt es einen Überblick, über alle Distributionen, welche Gnome 3 bereits in ihren Quellen haben. Tut euch allerdings selbst einen Gefallen und versucht es erst gar nicht mit Ubuntu 11.10. Deren Integration ist meiner Meinung nach alles andere als sauber. Ich selbst bin mittlerweile neben OS X, Windows 7 auch ein zufriedener Fedora-Nutzer geworden.
Und ihr so? Wie sind eure bisherigen Erfahrungen mit Linux? Sind hier vielleicht zufriedene Linux-Nutzer?!




Niko
Ich fand den Workflow von Gnome 3 erstmal sehr ungewohnt – aber sie machen viele Dinge richtig und es macht Spaß damit zu arbeiten.
Man muss nur einmal den Mut dazu aufbringen, dass man sich einfach daran versucht mit der Shell zu arbeiten – was viele leider nicht machen.
Jasmin Goldmann
Bin mit Unity auf einen Notebook & Netbook sehr zufrieden und finde die reine Bedienung über die Tastatur angenehmer als bei Gnome3 & 2, ist aber alles Geschmackssache Tim. Wollte mir eh GNOME 3.2.1 die Tage in Fedora 16 ansehen.
Viele in meinem Uni Bekannten Kreis verwenden Linux auf einen Notebook und nicht nur weil ich ihnen mal Lubuntu oder / Mint installiert hatte um selbst mehr Ruhe zu bekommen und nicht ständige Anrufe wie Jasi kannst Du bitte mal gucken kommen
Weiß aber nicht ob ich Linux je auf einen Desktop verwenden würde, erstens weil ich eher der mobile Mensch bin und zweitens nie einen Desktop PC hatte, abgesehen von einen Mac mini.
Alex
Ich habe Gnome3 nach einigem Zögern (und jahrelanger zufriedner Arbeit mit Gnome 2.X) nun unter Ubuntu 11.10 getestet. Vieles ist anfangs ungewohnt und anders, aber ich gebe Dir in den wesentlichen Punkten recht. Das neue Gnome ist moderner, optisch ansprechend, überraschend schnell (selbst auf meinem etwas älteren Notebook) und bietet eine zwar noch etwas sparsame, aber gut funktionierende Anbindung ans Web 2.0. So ist der Facebook-Chat z.B. ständig online, auch wenn ich kein Empathy gestart habe, kann ich mich mit Leuten unterhalten. Wie auf dem Smartphone eben. Die Ubuntu-eigen Unity-Oberfläche wirkt dagegen altbacken und ist träge. Hier und da könnte Gnome noch den ein oder anderen Einstellungsdialog mehr vertragen, aber da geschieht derzeit mit den zunehmenden Extensions von Drittanbietern schon viel. Vielleicht übernimmt Gnome ja einige in die Standardinstallation. Alles in allem ist Gnome 3 meiner Meinung nach die lange gesuchte Modernisierung des Gnome-Desktops und macht das besser (weil wesentlich konsequenter) als andere GUIs. Das mag sicher erst einmal viele alte GUI-Haudegen abschrecken und für manche Anwendungsbereiche ist eine GUI nach altem Muster sicher auch effitzienter. Aber für den Normal-Anwender ist das wohl die Zukunft. Und zumindest ich bin durchaus zufrieden mit ihr.
Pascal
Ich bin seit Fedora 12 Linuxnutzer, weil mir abends mal langweilig war und Mint, was ich erst ausprobieren wollte, nicht gestartet ist. Einige Tage später habe ich es dann auf einer kleinen 2. Partition installiert. Beim Release von Fedora 13 einige Wochen später flog Windows einfach mal runter, ohne das ich groß darüber nachdachte – und es war ein geiles Gefühl.
Seitdem nutze ich nur noch Fedora, da mich andere Distributionen einfach nicht überzeugten.
Vin Gnome3 war ich eigentlich gleich überzeugt. Es lässt sich viel schneller damit arbeiten und mit der Möglichkeit, Erweiterungen zu installieren (extensions.gnome.org) ist der Desktop eigentlich perfekt für mich, gerade wegen des Kalenders, den ich mit Google synchronisieren kann, oder dass sich jeder Facebook-Chat direkt im Benachrichtigungsfeld öffnet.